Ratgeber Ladung

Gurte im Blick behalten und rechtzeitig tauschen

Ein Zurrgurt ist nur so sicher wie sein Zustand. Wer weiß, worauf bei der Prüfung zu achten ist, erkennt rechtzeitig, wann ein Gurt ausgetauscht werden muss.

Ratgebervon pehaJuli 20268 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze

  • Vor jedem Einsatz gehört eine Sichtprüfung des gesamten Zurrgurts zur Pflicht.
  • Schnitte, Aufscheuerungen, Chemikalienschäden und Hitzeeinwirkung am Gurtband sind Ablegekriterien.
  • Ratsche und Beschläge müssen leichtgängig, unverformt und frei von Rissen sein.
  • Ein Zurrgurt mit fehlendem oder unleserlichem Etikett darf nicht weiterverwendet werden.

Zurrgurte sichern täglich Ladung auf unzähligen Fahrten und tragen damit eine große Verantwortung. Sie halten die Ladung an Ort und Stelle und schützen Fahrer, Ladung und andere Verkehrsteilnehmer. Doch ein Zurrgurt verliert mit der Zeit an Belastbarkeit, und ein beschädigter Gurt kann im entscheidenden Moment versagen, ohne dass es vorher auffällt.

Umso wichtiger ist es, Zurrgurte regelmäßig und sorgfältig zu prüfen und rechtzeitig abzulegen, sobald sie ein Schadensbild zeigen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, worauf Sie bei der Prüfung achten, welche Merkmale einen Austausch erfordern und wie Sie mit richtiger Lagerung die Lebensdauer Ihrer Gurte verlängern.

Warum die Prüfung von Zurrgurten wichtig ist

Ein Zurrgurt ist ein Sicherheitsbauteil, dessen Zustand über die Wirksamkeit der gesamten Ladungssicherung entscheidet. Selbst ein einzelner beschädigter Gurt kann dazu führen, dass die Ladung auf der Fahrt verrutscht oder sich löst. Die Folgen reichen von beschädigter Ware bis zu schweren Unfällen, weshalb die Prüfung kein lästiges Beiwerk, sondern eine zentrale Aufgabe ist.

Zurrgurte altern durch Belastung, Reibung, Feuchtigkeit, Sonnenlicht und den Kontakt mit Kanten oder Chemikalien. Viele dieser Einflüsse hinterlassen Spuren, die bei einem prüfenden Blick sichtbar werden. Wer diese Zeichen kennt und ernst nimmt, verhindert, dass ein geschwächter Gurt weiter im Einsatz bleibt.

Hinzu kommt, dass die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Ladungssicherung beim Betrieb und den handelnden Personen liegt. Ein versagender Gurt ist damit nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern auch eine Frage der Sorgfaltspflicht. Die regelmäßige Prüfung ist deshalb fester Bestandteil eines verantwortungsvollen Umgangs mit Zurrmitteln.

Ein Zurrgurt zeigt fast immer vorher, dass er am Ende seiner Lebensdauer ist – man muss die Zeichen nur sehen wollen.

Sichtprüfung vor jedem Einsatz

Die wichtigste und zugleich einfachste Maßnahme ist die Sichtprüfung vor jedem Gebrauch. Sie kostet nur wenige Augenblicke und deckt die meisten Mängel zuverlässig auf. Nehmen Sie den Gurt dabei vollständig in Augenschein und lassen Sie das Gurtband gedanklich Stück für Stück durch die Hände laufen.

Ziehen Sie das Band einmal komplett durch, sodass Sie beide Seiten und die gesamte Länge sehen. Achten Sie besonders auf die Bereiche nahe den Beschlägen und der Ratsche, denn dort treten Beschädigungen häufig zuerst auf. Auch das Etikett gehört zur Prüfung, denn ohne lesbare Kennzeichnung fehlt eine wichtige Grundlage für den sicheren Einsatz.

Tipp

Machen Sie die Sichtprüfung zur festen Gewohnheit vor dem Verzurren, dann übersehen Sie auch unter Zeitdruck keinen kritischen Mangel.

Schäden am Gurtband erkennen

Das Gurtband ist das Herzstück des Zurrgurts und zugleich der Teil, der am empfindlichsten auf Beschädigungen reagiert. Schon vergleichsweise kleine Schäden können die Belastbarkeit deutlich herabsetzen, weil sich die Kräfte an der Schwachstelle konzentrieren. Die folgenden Schadensbilder sind eindeutige Ablegegründe.

  • Schnitte und Einrisse – Durchtrennte Fasern, besonders an den Kanten oder quer zum Band, schwächen den Gurt erheblich.
  • Aufscheuerungen – Starke Abnutzung, aufgeraute Stellen und Garnbrüche zeigen, dass das Material ermüdet ist.
  • Hitzeschäden – Verhärtete, glänzende oder angeschmolzene Stellen deuten auf Reibungswärme oder Hitzeeinwirkung hin.
  • Chemikalien – Verfärbungen, aufgeweichte oder brüchige Fasern weisen auf einen Angriff durch Säuren, Laugen oder Lösungsmittel hin.

Zeigt sich eines dieser Merkmale, gehört der Gurt aus dem Verkehr gezogen. Ein Ausbessern oder Verknoten des Gurtbandes ist unzulässig, weil es die Belastbarkeit unkontrollierbar verändert.

Achten Sie auch auf die Nähte, denn sie halten Schlaufen und Verstärkungen zusammen. Aufgegangene, aufgescheuerte oder durchtrennte Nähte sind ein ebenso ernstes Warnzeichen wie ein Schaden im Band selbst. Ziehen Sie das Band beim Prüfen glatt, damit sich verdeckte Schäden in Falten nicht Ihrer Aufmerksamkeit entziehen.

Ratsche und Beschläge kontrollieren

Neben dem Gurtband verdienen auch die metallischen Bauteile Ihre Aufmerksamkeit. Die Ratsche als Spannelement und die Haken oder anderen Endbeschläge übertragen die Kräfte und müssen einwandfrei funktionieren. Ein verschlissenes oder verformtes Metallteil kann ebenso zum Versagen führen wie ein beschädigtes Band.

Prüfen Sie, ob die Ratsche leichtgängig öffnet und schließt und sicher verriegelt. Verformungen, Anrisse, starke Korrosion oder aufgeweitete Haken sind klare Warnzeichen. Achten Sie außerdem darauf, dass die Sicherung des Hakens vorhanden und funktionsfähig ist, damit sich die Verbindung nicht ungewollt löst.

Gut zu wissen

Eine schwergängige Ratsche ist nicht nur unbequem, sondern oft ein Hinweis auf Verschmutzung, Korrosion oder beginnende Verformung, die Sie ernst nehmen sollten.

Das Etikett als Informationsquelle

Jeder Zurrgurt trägt ein Etikett, das die entscheidenden Angaben zu seiner Belastbarkeit und seinem Einsatz enthält. Darauf finden Sie unter anderem die zulässigen Kräfte, die Länge und Hinweise zum Material. Ohne diese Angaben lässt sich nicht sicher beurteilen, ob der Gurt für die jeweilige Ladung geeignet ist.

Ist das Etikett abgerissen, unleserlich oder verblasst, darf der Zurrgurt nicht weiterverwendet werden. Der Grund ist einfach – ohne bekannte Kennwerte fehlt die Grundlage für eine sichere Auswahl und Anwendung. Behandeln Sie das Etikett daher als festen Bestandteil des Gurts und schützen Sie es vor unnötiger Beanspruchung.

Nutzen Sie die Angaben auf dem Etikett auch, um Gurte gezielt passend zur Ladung auszuwählen. Ein Gurt mit zu geringer Belastbarkeit ist ebenso ungeeignet wie ein beschädigter. Ebenso wenig sollten Sie unterschiedliche Gurttypen mit abweichenden Kennwerten unbedacht miteinander kombinieren, denn für eine sichere Sicherung müssen die Mittel zueinander und zur Aufgabe passen.

Wann ein Zurrgurt abgelegt werden muss

Die Entscheidung, einen Zurrgurt abzulegen, sollte im Zweifel immer zugunsten der Sicherheit fallen. Sobald eines der genannten Schadensbilder auftritt, ist der Gurt auszutauschen. Es gibt keinen sinnvollen Grund, einen erkennbar beschädigten Gurt weiter zu nutzen, denn der mögliche Schaden steht in keinem Verhältnis zum Preis eines Ersatzes.

Die genauen Ablegekriterien und Prüfabstände richten sich nach den jeweils gültigen Regelungen und den Angaben des Herstellers. Neben der Sichtprüfung vor dem Einsatz ist auch eine regelmäßige Prüfung durch eine befähigte Person vorgesehen. Halten Sie sich an diese Vorgaben, statt sich auf das eigene Bauchgefühl allein zu verlassen.

Ausgesonderte Gurte sollten Sie so kennzeichnen oder unbrauchbar machen, dass sie nicht versehentlich wieder in den Einsatz gelangen. So stellen Sie sicher, dass ein abgelegter Gurt tatsächlich aus dem Umlauf verschwindet.

Lagerung und Pflege verlängern die Lebensdauer

Wie lange ein Zurrgurt sicher hält, hängt nicht nur vom Einsatz ab, sondern auch von der Behandlung dazwischen. Mit einfachen Maßnahmen können Sie die Lebensdauer deutlich verlängern und vorzeitigem Verschleiß vorbeugen. Pflege beginnt bereits beim richtigen Umgang während der Fahrt.

  1. Lagern Sie Zurrgurte trocken, sauber und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.
  2. Vermeiden Sie den Kontakt mit Chemikalien, Ölen und aggressiven Substanzen.
  3. Setzen Sie an scharfen Kanten der Ladung geeigneten Kantenschutz ein.
  4. Reinigen Sie verschmutzte Gurte schonend und lassen Sie nasse Gurte trocknen, bevor Sie sie einlagern.
  5. Halten Sie die Ratsche sauber und beweglich, damit sie zuverlässig verriegelt.

Diese kleinen Gewohnheiten kosten kaum Aufwand, zahlen sich aber in längerer Haltbarkeit und gleichbleibender Sicherheit aus. Ein gepflegter Gurt ist zudem einfacher zu prüfen, weil Schäden auf sauberem Material besser sichtbar sind.

Das Prüfen und rechtzeitige Ablegen von Zurrgurten ist eine einfache, aber entscheidende Routine für sichere Ladungssicherung. Wer vor jedem Einsatz genau hinsieht, Gurtband und Metallteile kontrolliert, das Etikett beachtet und beschädigte Gurte konsequent aussondert, sorgt dafür, dass die Ladung dort bleibt, wo sie hingehört. Mit guter Pflege und Lagerung bleiben Ihre Zurrgurte dabei lange zuverlässig im Dienst.

Häufige Fragen

Wie oft muss ein Zurrgurt geprüft werden?

Eine Sichtprüfung gehört vor jeden Einsatz, zusätzlich ist eine regelmäßige Prüfung durch eine befähigte Person vorgesehen. Die genauen Abstände richten sich nach den gültigen Regelungen und den Herstellerangaben. Im Zweifel prüfen Sie lieber einmal mehr als zu wenig.

Darf ich einen beschädigten Zurrgurt reparieren?

Nein, das Ausbessern, Vernähen oder Verknoten eines beschädigten Gurtbandes ist unzulässig. Solche Eingriffe verändern die Belastbarkeit auf unkontrollierbare Weise. Ein Gurt mit Ablegekriterium gehört ausgetauscht, nicht repariert.

Was bedeutet ein fehlendes Etikett für die Nutzung?

Ohne lesbares Etikett fehlen die zulässigen Kräfte und weitere Kennwerte, sodass sich der sichere Einsatz nicht mehr bestimmen lässt. Ein solcher Gurt darf nicht weiterverwendet werden. Schützen Sie das Etikett daher vor Beschädigung.

Wie lagere ich Zurrgurte richtig?

Bewahren Sie Zurrgurte trocken, sauber und vor Sonnenlicht sowie Chemikalien geschützt auf. Nasse oder verschmutzte Gurte sollten Sie vor der Einlagerung schonend reinigen und trocknen lassen. So bleiben Material und Belastbarkeit länger erhalten.

Ihre Zurrgurte auf dem Prüfstand?

Sprechen Sie uns an, wir unterstützen Sie bei der Auswahl passender Zurrmittel und beraten Sie rund um Prüfung, Pflege und sichere Ladungssicherung.

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