Ratgeber Ketten

Ein Strang oder mehrere – die richtige Wahl

Ob ein einzelner Strang genügt oder mehrere Stränge nötig sind, entscheidet über einen sicheren und stabilen Hub. Wer die Zusammenhänge kennt, wählt das passende Gehänge sicher aus.

Ratgebervon pehaJuli 20266 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze

  • Ein einsträngiges Gehänge eignet sich vor allem für Lasten mit einem zentralen, gut erreichbaren Anschlagpunkt.
  • Mehrsträngige Gehänge verteilen die Last auf mehrere Punkte und sorgen für einen stabileren, ruhigeren Hub.
  • Mit steigender Strangzahl und flacherem Neigungswinkel steigt die Belastung des einzelnen Strangs.
  • Die richtige Wahl hängt von Form, Schwerpunkt und den vorhandenen Anschlagpunkten der Last ab.

Kettengehänge gehören zu den vielseitigsten Anschlagmitteln in der Hebetechnik. Sie sind robust, unempfindlich gegen Hitze und scharfe Kanten und lassen sich je nach Aufgabe mit einem oder mehreren Strängen einsetzen. Genau diese Vielseitigkeit wirft aber die Frage auf, wann ein einzelner Strang ausreicht und wann mehrere Stränge die bessere Wahl sind.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie sich ein- und mehrsträngige Kettengehänge unterscheiden, welche Rolle Schwerpunkt und Anschlagpunkte spielen und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten. So können Sie besser einschätzen, welches Gehänge zu Ihrer Last passt und einen sicheren Hub ermöglicht.

Wie ein Kettengehänge aufgebaut ist

Ein Kettengehänge besteht im Kern aus einem Aufhängeglied, an dem ein oder mehrere Kettenstränge hängen, und aus den Endgliedern wie Haken, mit denen die Last angeschlagen wird. Über das Aufhängeglied wird das Gehänge in den Kranhaken eingehängt, sodass sich die Kräfte von der Last bis zum Hebezeug durchgängig übertragen.

Die Zahl der Stränge bestimmt maßgeblich, wie die Last aufgenommen wird. Vom einsträngigen Gehänge über zwei Stränge bis hin zu mehrsträngigen Ausführungen deckt diese Bauform ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Welche Variante passt, ergibt sich aus der Last selbst und aus den Punkten, an denen sie sicher angeschlagen werden kann.

Kettengehänge haben gegenüber textilen Anschlagmitteln einige charakteristische Stärken. Sie sind unempfindlich gegen Hitze, widerstehen scharfen Kanten und Schmutz und lassen sich häufig durch Verkürzungshaken in der Länge anpassen. Diese Robustheit macht sie zur bevorzugten Wahl, wenn raue Bedingungen herrschen oder die gleiche Last immer wieder unter fordernden Umständen bewegt werden muss.

Kurz gesagt

Nicht die Kette allein entscheidet über die Sicherheit, sondern das Zusammenspiel aus Gehänge, Anschlagpunkten und der Art, wie die Last aufgenommen wird.

Das einsträngige Gehänge

Ein einsträngiges Gehänge führt die Last über einen einzelnen Strang direkt nach oben. Es ist die einfachste Form und dann sinnvoll, wenn eine Last einen zentralen Anschlagpunkt über ihrem Schwerpunkt besitzt, etwa eine Öse oder ein Ringschraubpunkt an geeigneter Stelle.

Der Vorteil liegt in der klaren, senkrechten Krafteinleitung, denn die gesamte Last hängt an einem Punkt ohne seitliche Kräfte. Voraussetzung ist allerdings, dass der Anschlagpunkt tatsächlich über dem Schwerpunkt liegt, weil die Last sonst kippt oder pendelt. Für unregelmäßig geformte oder lange Bauteile stößt der einzelne Strang deshalb schnell an seine Grenzen.

Ein einsträngiges Gehänge wird gelegentlich auch genutzt, um eine Last umzuschlingen, statt sie direkt anzuschlagen. Dabei ändert sich das Kräftebild jedoch grundlegend, weil an Umlenkstellen zusätzliche Belastungen und Reibung entstehen. Solche Anschlagarten erfordern besondere Aufmerksamkeit und dürfen nicht ohne Kenntnis der zulässigen Werte angewendet werden, weil die Tragfähigkeit dann anders zu bewerten ist als beim geraden Zug.

Mehrsträngige Gehänge und ihre Vorteile

Sobald eine Last mehrere Anschlagpunkte besitzt oder ihr Schwerpunkt nicht unter einem einzelnen Punkt liegt, kommen mehrsträngige Gehänge ins Spiel. Sie verteilen die Last auf mehrere Punkte und halten das Bauteil dadurch ruhiger und stabiler in der Schwebe. Besonders bei sperrigen oder unförmigen Lasten ist das ein deutlicher Sicherheitsgewinn.

Ein zweisträngiges Gehänge eignet sich gut für Lasten, die an zwei gegenüberliegenden Punkten gefasst werden, während drei oder mehr Stränge zusätzliche Sicherheit gegen Kippen bieten und die Last besonders ruhig führen. Viele Ausführungen lassen sich über Verkürzungshaken in der Länge anpassen, sodass sich auch ein außermittiger Schwerpunkt ausgleichen lässt und die Last dennoch waagerecht hängt.

Wichtig zu verstehen ist, dass sich die Last bei mehreren Strängen nicht automatisch gleichmäßig verteilt. Je nach Geometrie und Steifigkeit der Last kann ein Teil der Stränge mehr tragen als andere. Aus diesem Grund wird bei der Auslegung nicht einfach die Zahl der Stränge zusammengerechnet, sondern eine vorsichtige Betrachtung angesetzt.

Ein anschauliches Beispiel ist eine steife Last mit vier Anschlagpunkten. Weil sich ein starrer Körper kaum verformt, liegen in der Praxis oft nicht alle Stränge gleichzeitig voll an. Sicherheitsbewusst wird deshalb angenommen, dass nur ein Teil der Stränge die Hauptlast trägt.

  • Stabilität – Mehrere Anschlagpunkte verhindern das Kippen und Pendeln der Last.
  • Verteilung – Die Last verteilt sich auf mehrere Stränge, jedoch nicht immer gleichmäßig.
  • Anpassung – Verstellbare Stränge helfen, den Hub an den Schwerpunkt anzupassen.

Warum der Neigungswinkel entscheidend ist

Bei mehrsträngigen Gehängen laufen die Stränge nicht senkrecht, sondern schräg zur Last. Dadurch entsteht in jedem Strang eine höhere Kraft als bei senkrechtem Zug. Je flacher der Winkel zwischen Strang und der Waagerechten wird, desto stärker steigt die Belastung des einzelnen Strangs an.

Dieser Zusammenhang ist einer der häufigsten Gründe für gefährliche Überlastungen. Wer die Stränge zu weit spreizt, um eine breite Last zu fassen, treibt die Kraft im einzelnen Strang in die Höhe, ohne es zu bemerken. Deshalb geben Hersteller für jedes Gehänge einen zulässigen Winkelbereich vor, der eingehalten werden muss.

Aus dem gleichen Grund verändert sich die zulässige Tragfähigkeit eines Gehänges mit dem Winkel. Der Anhänger am Gehänge nennt daher in der Regel unterschiedliche Werte für verschiedene Winkelbereiche. Diese Angaben sind kein Beiwerk, sondern die Grundlage für einen sicheren Hub, denn ein zu flach gespreiztes Gehänge kann die Grenzwerte überschreiten, obwohl die Last selbst eigentlich im erlaubten Rahmen liegt.

Nicht die Zahl der Stränge allein trägt die Last sicher, sondern der Winkel, in dem sie ziehen.

Die richtige Wahl treffen

Ob ein oder mehrere Stränge sinnvoll sind, ergibt sich aus der Last und ihren Anschlagpunkten. Ein zentraler Punkt über dem Schwerpunkt spricht für ein einsträngiges Gehänge, mehrere verteilte Punkte für eine mehrsträngige Lösung. Entscheidend ist immer, dass die Last ruhig und ohne Kippgefahr hängt.

Damit die Auswahl sicher gelingt, hilft eine geordnete Herangehensweise, die den Blick auf die wesentlichen Punkte lenkt.

  1. Schwerpunkt der Last bestimmen und die vorhandenen Anschlagpunkte prüfen.
  2. Passende Strangzahl anhand von Form und Anschlagpunkten festlegen.
  3. Zulässigen Neigungswinkel der Stränge beachten und die Spreizung begrenzen.
  4. Kennzeichnung, Zustand und Herstellerangaben des Gehänges kontrollieren.

Bei Unsicherheit über Tragfähigkeit oder Winkel ist die Rücksprache mit einer sachkundigen Person immer der sichere Weg. Die genauen Grenzwerte stehen auf dem Anhänger des Gehänges und in den Herstellerangaben.

Es lohnt sich außerdem, das Gehänge nicht nur für den einzelnen Hub, sondern für die wiederkehrenden Aufgaben im Betrieb auszuwählen. Wer regelmäßig ähnliche Lasten bewegt, fährt oft besser mit einem Gehänge, dessen Strangzahl und Längenverstellung zu diesen typischen Bauteilen passen. So vermeiden Sie behelfsmäßige Lösungen, die entstehen, wenn ein vorhandenes Gehänge nicht wirklich zur Last passt, und sorgen für gleichbleibend sichere Abläufe.

Sicherer Umgang im Alltag

Auch das beste Gehänge trägt nur sicher, wenn es richtig gehandhabt wird. Vor jedem Einsatz gehört eine Sichtkontrolle dazu, bei der Sie die Kette, die Haken und das Aufhängeglied auf Beschädigungen, Verformungen und Verschleiß prüfen. Auffälligkeiten bedeuten, dass das Gehänge außer Betrieb genommen und beurteilt wird.

Ebenso wichtig ist, dass nicht genutzte Stränge sicher hochgehängt werden, damit sie nicht pendeln oder sich verfangen. Achten Sie darauf, dass Haken vollständig und korrekt greifen und die Last nicht über scharfe Kanten belastet wird. Diese einfachen Gewohnheiten verhindern viele der typischen Gefahren beim Anschlagen.

Wird eine Kette über eine scharfe Kante geführt, gehört ein Kantenschutz dazu, denn auch robuste Ketten können an harten Ecken Schaden nehmen. Halten Sie sich beim Anheben zudem stets außerhalb des Gefahrenbereichs auf und heben Sie die Last zunächst nur wenig an, um zu prüfen, ob sie ruhig und waagerecht hängt. Erst wenn alles sicher sitzt, wird der Hub fortgesetzt.

Gut zu wissen

Ein Gehänge mit verformten Haken, gedehnten Gliedern oder unlesbarer Kennzeichnung gehört nicht in den Einsatz, sondern in die fachkundige Prüfung.

Ein- und mehrsträngige Kettengehänge decken zusammen ein breites Feld an Hebeaufgaben ab. Der einzelne Strang punktet bei zentralen Anschlagpunkten, mehrere Stränge sorgen bei verteilten Punkten für einen stabilen Hub. Wer Schwerpunkt, Anschlagpunkte und Neigungswinkel im Blick behält und im Zweifel fachkundigen Rat einholt, wählt das passende Gehänge sicher aus und hebt Lasten mit gutem Gefühl.

Häufige Fragen

Wann reicht ein einsträngiges Gehänge aus?

Ein einzelner Strang genügt, wenn die Last einen zentralen Anschlagpunkt über ihrem Schwerpunkt besitzt und ruhig hängt. Für unregelmäßig geformte oder lange Bauteile ist dagegen meist ein mehrsträngiges Gehänge die bessere Wahl.

Verteilt sich die Last bei mehreren Strängen gleichmäßig?

Nicht zwangsläufig. Je nach Geometrie und Steifigkeit der Last können einzelne Stränge mehr tragen als andere. Deshalb wird bei der Auslegung vorsichtig gerechnet und nicht einfach die Zahl der Stränge zusammengezählt.

Warum ist der Neigungswinkel so wichtig?

Bei schräg ziehenden Strängen entsteht eine höhere Kraft als bei senkrechtem Zug. Je flacher der Winkel, desto stärker wird der einzelne Strang belastet. Deshalb geben Hersteller einen zulässigen Winkelbereich vor, den Sie einhalten müssen.

Woran erkenne ich die Tragfähigkeit eines Gehänges?

Die zulässigen Werte stehen auf dem Anhänger des Gehänges und in den Herstellerangaben, oft in Abhängigkeit vom Neigungswinkel. Ist die Kennzeichnung unlesbar oder fehlt sie, gehört das Gehänge zur fachkundigen Prüfung und nicht in den Einsatz.

Unsicher bei der Wahl des passenden Gehänges?

Schildern Sie uns Ihre Last und die vorhandenen Anschlagpunkte, dann finden wir gemeinsam das passende ein- oder mehrsträngige Kettengehänge.

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